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Eine Familie stellt sich vor

Lieben heißt auch loslassen - Familie Möser

Hallo – wir sind die Mösers – dazu gehören Rolf, Lennart, der elfjährige Sohn, sein kleiner Bruder Eyck mit 9½ Jahren und Dagmar. Wir lieben unsere Söhne sehr, und weil wir sie lieben, leben sie beide, Lennart seit vier Jahren und Eyck seit zwei Jahren. in einer anthroposophischen Einrichtung. Das klingt jetzt wohl recht krass, aber beschreibt die Situation am treffensten.

Gesund geboren, fielen uns die beiden Schatzis in den Schoß und ein größeres Glück hätten wir wohl kaum erleben können. Nach Startschwierigkeiten wie Leistenbrüchen bei der Geburt und ständigen Mandelentzündungen während der ersten 3½ Jahren bei Lennart bzw. zwei Jahre bei Eyck hatten wir dann endlich einmal Ruhe vor Ärzten. Nur meine Skepsis beschlich mich ab und zu, und ich spürte eine Ahnung von irgendetwas Gewaltigem.

Als Lennart nach fünf Jahren immer noch nicht trocken war und auch die sprachliche Entwicklung zögerlich blieb, suchten wir eine Kinderreha-Klinik auf, in der man uns recht taktlos eröffnete, dass Lennart geistig behindert sei. Fünf Monate später verlor er binnen vier Wochen die Sprache und sämtliche bis dahin erlernten Fähigkeiten.

Von nun an tobte bei uns zu Haus das Chaos. Von morgens bis abends schrie der Junge völlig verzweifelt, konnte nicht mehr essen, keine Sekunde still sitzen. Nach sechs Wochen war unsere Familie am Boden zerstört. Das Kind wurde in der Uni-Klinik Kiel monatelang beobachtet, und man hatte einen Verdacht. Da man die entscheidende Untersuchung nicht richtig ausführen konnte und ihn trotzdem nicht an eine andere Klinik überwies, wurde Lennart nach 4½ Monaten ohne Diagnose entlassen.

Es war uns allen klar, dass wir unter diesen Umständen kein normales Familienleben mehr führen konnten. Verzweifelt wandten wir uns an eine Therapeutin, die uns verschiedene Einrichtungen für behinderte Kinder nannte. So kamen wir auf den Weg - Gott sei Dank.

Als mein Mann und ich das erste Mal „Friedrichshulde“ , so heißt das zweite Zuhause unserer Kinder, aufsuchten, genügte ein Blickkontakt, um zu sagen: Sollte Lennart tatsächlich in fremde Hände, dann nur hierher. Es ist der intensiven Beobachtung der Lehrer und Betreuer dieser Einrichtung zu verdanken, dass wir endlich - nach 8 Jahren - eine Diagnose für unseren Sohn Lennart erhielten, die lautet: MUKOPOLYSACCHARIDOSE Typ III (Sanfilippo) .

Nach einer Untersuchung von Eyck in der Uni-Klinik Hamburg stand fest, auch er leidet an dem selben genetischen Defekt wie sein Bruder. All‘ unsere Hoffnungen und Träume, wenigstens ein Kind bei uns aufwachsen zu sehen, konnten wir uns im Laufe der nächsten Monate abschminken, denn auch Eycks Erkrankung erschöpfte unsere schon sehr strapazierten Kräfte auf ein Minimum. Wir mussten für uns feststellen, dass wir es nicht leisten konnten, unsere beiden Söhne ständig zu Hause groß zu ziehen. Als dann die nächste Entscheidung anstand, war es keine Frage für uns: Wenn eine Heimunterbringung für Eyck, dann nur in Friedrichshulde. So blieb dieser Kompromiss für uns alle tragbar.

Die Entscheidung , unsere Kinder in einer Einrichtung unter zu bringen, sollte sich als eine der wichtigsten und besten in der Entwicklung unserer Familie bewahrheiten. Unsere Söhne finden hier nicht nur Freunde und Spielkameraden, sondern Liebe und Geborgenheit, die im Alltag behinderter Menschen sehr, sehr wichtig sind. Und nicht nur sie, sondern unsere gesamte Familie hat ein zweites Zuhause gefunden. Hier finden auch wir Trost und Verständnis. Es ist doch klar, dass man seine siebenjährigen Söhne nicht mal eben 100 Kilometer entfernt in ein Kinderheim gibt !

Viele werden jetzt fragen, wie man damit leben kann, seine beiden Wunschkinder in so jungem Alter loslassen zu müssen? Dass wir mit Lennart in diesem Haus so gute Erfahrungen machen konnten, ebnete sicher den Weg für Eyck. Wir erleben, wie unsere beiden Söhne dort aufblühen, schöne Erlebnisse haben und gemeinsam mit uns dort wunderbare Feste feiern. Und auf der anderen Seite gibt es da noch uns, die Eltern; die ganz langsam wieder ein Stück weit durchatmen können, denn andernfalls hätten wir einen 24-Stunden-Dienstplan bei 365 Tagen im Jahr Anwesenheitspflicht – ohne die Möglichkeit, Ruhe zu finden, ohne krank werden zu dürfen, sondern ausschließlich zu funktionieren.

Für unsere Familie hat sich ein ganz eigener Weg aufgetan. Sicherlich ist dieser Weg ein Kompromiss, sowohl für die Kinder, als auch für uns, der uns allen jedoch ein tragbares Leben ermöglicht. Unsere Kinder haben ein zweites Zuhause gefunden, wo sie geliebt und in ihrer Persönlichkeit geschätzt werden. Darüber sind wir sehr glücklich. Da sich die Belastungen nun auf viele Schultern verteilen, haben wir einen ganz anderen Zugang zu unseren Kindern gefunden. Heute ist es uns wieder möglich, nicht primär ihre Erkrankung zu erleben, sondern ihre individuelle Entwicklung und Lebensfreude zu sehen.

Dagmar und Rolf Möser

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