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Interview im Veedelsbüro

Veedelsbüro: Hallo Sonja, wie bist du nach Holweide gekommen?

Sonja: Ich bin in Köln geboren und habe lange linksrheinisch gelebt, bis ich vor knapp 20 Jahren in das Haus meiner Urgroßeltern in die direkte Nähe zum Rewe Platz gezogen bin. Heute würde ich nicht mehr hier wegwollen, besonders weil in den letzten Jahren auch viele junge Familien hierhergezogen sind, tolles Engagement für den Stadtteil entstanden ist und es hier viele gute Angebote wie den Wochenmarkt, Bioladen oder auch Boule gibt. Zudem ist man mit S-Bahn und Straßenbahn super an die Kölner Innenstadt angebunden. 

Veedelsbüro: Du arbeitest in deiner Freizeit für den ambulanten Kinderhospizdienst. Was ist das für eine Arbeit und warum engagierst du dich dafür?

Sonja: In Deutschland gibt es jährlich rund 50000 Kinder und Jugendliche, die an einer Erkrankung leiden, die ihr Leben verkürzt. Auch in Köln. Unser Büro ist in Holweide und wir sind für einen großen Teil des Kölner Ostens sowie das östliche Umland da. Wir leisten eine kostenfreie Unterstützung für betroffene Familien durch geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus der Umgebung.

Bei mir war es so, dass ich eine gute Freundin begleitet habe, die dann verstorben ist. Ich war traurig, aber ich habe auch gemerkt, dass mich das Thema Tod nicht unangenehm berührt. Mit diesem Thema werden wir alle irgendwann zu tun haben aber leider wird der Tod in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert. Ich wollte Familien, die diesem Thema ausgesetzt sind meine Unterstützung anbieten und so kam ich zu meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. 

Veedelsbüro: Worum geht es bei dieser Unterstützung genau?

Sonja: Unsere Arbeit ist in der Regel über einen langen Zeitraum angelegt. Hospizarbeit wird häufig mit dem Begriff des Sterbens verbunden. In unserer ambulanten Arbeit sehen wir aber vor allem auch die wertvolle verbleibende Lebenszeit. Wir möchten Familien dabei unterstützen, diese gut nutzen zu können und dabei auch ein Zeichen setzen, dass sie nicht allein in ihrer Situation sind. Das kann bedeuten, dass wir mit erkrankten Kindern Zeit verbringen, oder Familienangehörige auch durch unseren Einsatz entlasten, so dass sie einmal durchatmen und sich auch auf sich selbst konzentrieren können. Es kann aber auch sein, dass wir bei ganz praktischen organisatorischen Dingen unterstützen und beispielsweise bei Fragen der Pflege oder Finanzierung Unterstützung leisten. 

Ich selbst habe den Eindruck, dadurch dass ich etwas Zeit einbringe, relativierend für die Familien zu wirken, nehme aber auch selbst sehr viel aus dieser Arbeit mit. Wir wirken mit unserer Arbeit ins Gemeinwesen, weil hier auch längerfristige Beziehungen entstehen. Viele Verbesserungen im Leben betroffener Familien entstehen durch diesen Austausch. Dadurch verändern sich auch Blickwinkel auf Möglichkeiten der Integration. 

Veedelsbüro: Wenn ich das richtig verstehe, können auch weitere Menschen aus dem Stadtteil ehrenamtlich aktiv werden. Was braucht es dafür?

Sonja: Wir bieten Kurse an, die für die Arbeit mit betroffenen Familien sensibilisieren und eine gute Orientierung geben, die Teilnahme an einem solchen Kurs ist Voraussetzung und sichert auch die Qualität unserer Arbeit. Natürlich gibt es auch Austausch unter Ehrenamtlichen und mit Judith und Barbara, den Koordinatorinnen, auch eine hauptamtliche Unterstützung in allen Fragen. Für den nächsten Kurs im Januar 2021 sind noch Plätze, für Menschen, die sich ehrenamtlich in dieser Thematik engagieren wollen. Dort erfährt man auch viel über Grundlagen zur Pflege, Beschäftigungsmöglichkeiten, was man mit den Kindern machen kann, wie man über das Thema Tod gut in Familien sprechen kann.

Veedelsbüro: Abschließend nochmal zum Stadtteil Holweide. Was sollte sich deiner Meinung nach noch ändern in der nächsten Zeit? 

Sonja: Der Verkehr auf der Bergisch-Gladbacher-Straße sollte sich reduzieren! Außerdem fehlt uns hier noch eine nette Familien- oder Veedelsgastronomie, ein Ort, an dem alle Bevölkerungsgruppen aus dem Stadtteil mal sein könnten. Auf dem Rewe-Platz ist einiges bereits gut gelungen, so zum Beispiel die Möblierung mit Sitzgelegenheiten. Pflanzentechnisch ist da aber noch Spielraum. Ich könnte mir vorstellen, wenn in irgendeiner Weise Kinder in die Patenschaft von Pflanzkübeln involviert wären, vielleicht auch mehr Rücksicht und weniger Vermüllung entstehen könnten. Hier könnten vielleicht auch Träger von Kinder- und Jugendangeboten wie Kitas und Jugendzentren mehr involviert sein. 

Veedelsbüro: Und was darf hier auf gar keinen Fall passieren? 

Sonja: Das angedachte Verkehrskonzept der Stadt Köln, mehr Verkehr in die Parallelstraßen zur Bergisch-Gladbacher-Straße zu führen wäre eine Katastrophe für den Stadtteil, insbesondere für die Gerhard-Hauptmann-Siedlung.

Veedelsbüro: Wie kann man den Kinderhopizdienst erreichen?

Sonja: Unser Büro liegt in der Heinz-Kühn-Straße 41. Dort erreicht man die beiden Ansprechpartnerinnen Judith Knoche und Barbara Thörnig telefonisch unter 0221-29731694 oder per Mail unter koeln-ost(at)deutscher-kinderhospizverein.de

Veedelsbüro: Vielen Dank für die vielen Einblicke in deine wertvolle Arbeit!

Das Gespräch fand am 27.10.20 im Veedelsbüro Holweide statt. 

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