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Hinter dem Horizont liegt ein Lächeln - Kabarettseminar für Mütter 2 Tage nach Ausschreibung schon ausgebucht!

Erstmals Kabarett-Seminar für Mütter schwer kranker und verstorbener Kinder

Olpe – Manchmal erleben Mütter todkranker oder verstorbener Kinder in der Begegnung mit Mitmenschen kabarettreife Situationen… der alltägliche Wahnsinn. Sie lassen „gut gemeinte“ Ratschläge der Freundin oder des Arztes wie: „Kopf hoch, das wird schon wieder!“ über sich ergehen. Sie werden verletzt durch vermeintlich tröstenden Zuspruch nach dem Motto: „Seien Sie nicht traurig über ihr krankes Kind, Sie haben ja noch zwei Gesunde“. Wenn sie unter sich sind, können sie die Welt teilweise nur noch ironisch oder sarkastisch, mit bitterem oder verzweifeltem Humor sehen. Erfahrungen, die das Leben schreibt, tauschten die Teilnehmerinnen eines besonderen Seminars aus, das der Deutsche Kinderhospizverein mit Sitz in Olpe veranstaltete. „Hinter dem Horizont liegt ein Lächeln“, war der Titel des ersten Kabarettseminars für Mütter schwer kranker oder verstorbener Kinder, das unter der Leitung des Theaterpädagogen und Trauerbegleiters Uwe Sanneck vor kurzem stattfand.

Einfach war es für die meisten nicht, sich zu diesem Seminar anzumelden.
Zum Beispiel für Heike Anderer, deren achtjähriger Sohn Jonas an einer schwer verlaufenden Form der Muskeldystrophie, einer erblichen Stoffwechselkrankheit, erkrankt ist. Sie erläuterte „Mir war zuerst überhaupt nicht klar, ob ich kommen kann, da Jonas wieder einen starken Infekt bekommen hat. So steht zuhause das Funktionieren und Organisieren im Vordergrund. Es geht uns allen nicht gut im Moment und man hat das Gefühl, vieles auffangen und gleichzeitig die Fröhlichkeit von Jonas bewahren zu müssen. Seine Rückenmuskulatur hat seit dem letzten Infekt massiv abgebaut und eine OP ist nicht möglich. Er sitzt total schief im Rollstuhl, bekommt demnächst ein Korsett. Es überrollt uns im Moment alles und es war nicht klar, ob ich überhaupt am Seminar teilnehmen kann. Mein Mann meinte, es tue mir gut und letztendlich hat es doch geklappt“.

Nicht genug getrauert?
Nachbarn, Kollegen oder Verwandte haben oft kein Verständnis dafür, wenn Eltern schwer kranker oder verstorbener Kinder das Leben nicht ausschließlich von der traurigen Seite wahrnehmen. Bei den Betroffenen stellt sich dann häufig das schlechte Gewissen ein und sie fragen sich: habe ich etwa nicht genug um mein Kind getrauert? Gedanken, die auch Frauke Strube kennt: „Wenn man ein Kind hat, das sterben wird, ‚geziemt’ es sich nicht zu lachen. Von außen kommt da immer wieder die Frage: ‚Wie kannst du noch so fröhlich sein?’ Wir gehen in ‚Sack und Asche’, weil wir ein Kind verloren haben oder noch verlieren werden. Und darum lachen wir nicht, wir lachen nie. Stattdessen ist da immer das Gefühl, trauern zu müssen. Auch wenn das Kind noch lebt.“ Abgrenzung und Gegenwehr sind den Betroffenen unter diesem Erwartungsdruck von außen meist nicht möglich. Sie fühlen sich beobachtet, bewertet, beurteilt. Erfahren die ‚gut gemeinten’ Ratschläge nicht selten als verletzend.

Humor - kein Privileg der Unversehrten
Dennoch zeigten die Mütter an diesem Wochenende, dass sie den Humor nicht verlernt haben. Im Gegenteil: Trauernde haben feine Sensoren für die Slapstick-Nummern des Lebens. Ihre ur-eigensten Erfahrungen waren der Stoff, den das Theater des Lebens an diesem Wochenende schrieb. Gelegenheit, die Dinge so richtig überspitzt wiederzugeben. Seminarteilnehmerin Petra Stuttkewitz beispielsweise schlüpfte in die Rolle von Hans Eichel, ein knallhartes Kabarettstück entstand.

„Die Geschichte von Hans Eichel entstand so ganz ohne Konzept. Wir sollten jemanden darstellen, der wir gerne einmal sein sollten. Ich wusste sofort, ich wollte Hans Eichel sein. Nun galt es zu überlegen, neue Steuern zu erfinden oder bestehende Steuern zu erhöhen. Da fiel der Begriff „besondere Kinder“. Diesen Ausdruck finde ich falsch für unsere Kinder, weil er ihnen eine Sonderstellung gibt und gleichzeitig die Geschwisterkinder ausgrenzt. Da waren die ersten Steuern. Besondere Kinder – besondere Steuern. Die Politiker haben erkannt, dass sie viel Geld sparen könne, wenn sie das Sterbegeld streichen, denn gestorben wird täglich. Kann das tägliche Sterben eine Einnahmequelle sein? Natürlich. Also stellte Liz den Antrag für einen Zuschuss bei Beerdigungen, schließlich entstehen enorme Kosten. Da sind zu bezahlen: das Grab, der, das Kaffeetrinken und so weiter. Hans Eichel wusste sofort, da war doch was zu holen. Kaffeetrinken=Feiern=Vergnügen, also wird die Vergnügungssteuer erhöht. Eine Sargsteuer haben wir auch noch nicht, das werden wir ändern!!! So entstand unsere Geschichte um Hans Eichel“.

Dieser gerissene, dieser schwarze Humor…
Mit Ironie und Distanz auf die eigenen Lebensverhältnisse zu schauen, war das erklärte Ziel des Seminars. Und in der Tat: jetzt, wo die Mütter unter sich waren, regierte der schwarze Humor. Denn obwohl oder gerade weil der Schmerz über die Situation so groß, gerade weil die Lage so traurig ist, sind Ironie und Sarkasmus, bitterer und verzweifelter Humor wichtige Ventile. „Man baut durch Lachen genauso viel Druck ab, wie durch Weinen“ bemerkte Frauke Strube. Und Liz Volk ergänzte: „Ich habe noch nie mit so vielen Menschen zu diesem Thema so gelacht, noch nie so lustig getrauert. Ich würde jedem wünschen, diese Leute im Alltag zu finden.“

Das Lachen und der schwarze Humor gehörten für Steffi Robertz-Thomas dabei einfach zusammen: „Ich bin ja ein positiv denkender Mensch. Ich lache gern und weiß, dass es mir in vielen Situationen hilft. Dieser gerissene, dieser schwarze Humor gefällt mir“. Sie denkt laut nach über den Tod der Tochter Jana vor 10 Jahren und ihre beiden lebensbegrenzt erkrankten Söhne. Darüber, dass im Seminar vieles wach wurde: „… man meint, man hätte alles abgelegt. In solchen Momenten kommt es dann wieder hoch. Diese Probleme, die man im Unterbewusstsein mit sich rumschleppt und wieder raufholt und sie sich dann vielleicht lösen. Das Seminar hat mir dabei geholfen, jetzt erst einmal darüber zu stehen.“

Für Sabine Wohlfahrt, deren zehnjährige Tochter an der erblichen Stoffwechselerkrankung Mukopolysaccharidose (MPS) leidet, überwog am Anfang die Skepsis, ob dies überhaupt etwas für sie sei. Im Nachhinein hält sie für sich fest: „Doch, es hat mir wirklich gut getan, neue Ideen, neue Eindrücke zu gewinnen. Wichtig waren auch all die Gespräche, die mich zu dem Thema Trauer und Abschiednehmen hingeführt haben. Das habe ich bisher weit von mir geschoben. Ich habe die letzten Monate und bei diesem Seminar gemerkt, dass ich mich mehr damit beschäftigen will und muss.“

Hinter dem Horizont ein Lächeln
Maria Grefenberg, deren Kind vor Jahren gestorben ist, erinnert sich an ihren Weg der Trauer. Wie wichtig es anfangs für sie war, dass die Umwelt ihren Schmerz mittrug. Und daran, dass sie sich über viele Jahre hinweg Kuriositäten wie die im Seminar geschilderten von bestimmten Menschen anhören musste. Dies könne sie heute nicht mehr treffen: „Genau wie sich Schmerz verändert, so verändert sich auch die Trauer. Am Anfang war da eine tiefe Verletzlichkeit. Jetzt ist es ein anderer Schmerz. Er hat nur mit mir zu tun, ich bin nicht mehr angreifbar von außen…es ist jetzt meine Narbe, die je nach Wetterlage schmerzt“. Sie erinnert sich an Trauerseminare, die sie in der Vergangenheit besucht hat in der Erwartung, Hilfe beim Umgang mit dem Schmerz und der Trauer in ihr zu erhalten. Vergleicht sie mit ihrer Erwartung an das Kabarettseminar und stellt fest: „Beim Kabarett-Seminar ist das anders. Das Lachen und der Witz, die Satire stehen hier im Vordergrund. Es wird gezeigt, dass ich so auch mit meinem Schmerz umgehen kann. Und zwar anders, als es das Umfeld erwartet. Warum ist ein Clown ein Clown? Weil er lacht und weint… immer eine Träne im Auge hat. Weil Lachen und Weinen, Licht und Schatten so dicht beieinander liegen.“

Viele Teilnehmerinnen verließen das Seminar mit heiterer Gelassenheit. Sie hatten sich eine Aus-Zeit gegönnt: In der Gemeinschaft mit anderen Betroffenen- erlebt, dass Lachen befreiend wirkt, dass Humor –zumindest zeitweise- heilsam sein kann. Und dass sie die Fröhlichkeit nicht verlernt hatten – wenn sie im Alltag auch oft verschüttet, hinter dem Horizont versteckt ist.

Damit widerlegten sie an diesem Wochenende die gesellschaftlich verbreitete Auffassung, dass Menschen mit schwerkranken oder verstorbenen Kinder nichts mehr zu lachen hätten, dass Humor und Heiterkeit aus ihrem Leben verschwunden wären. Vielmehr bestätigte sich die Auffassung, die im Humor das Heilsame sieht. So wie George Bernard Shaw es einmal auf den Punkt gebracht hat: „Das Leben hört nicht auf, komisch zu sein, wenn Menschen sterben. Ebenso bleibt es ernst, auch wenn Menschen lachen.“

Der genaue Termin für das nächste Seminar steht bisher noch nicht fest. Weitere Informationen erhalten Sie beim Deutschen Kinderhospizverein unter der Telefonnummer 02761/ 969 555

email: info(at)deutscher-kinderhospizverein.de

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