Neuigkeit

Digitales Geschwisterwochenende 2020

Erstes digitales Treffen im Jahr 2020ACHTUNG: 2021 ist aktuell in Planung, wir informieren in Kürze.
Überraschungsbox für Geschwisterseminar

Einmal im Jahr treffen wir uns Geschwister von lebensverkürzend erkrankten und/oder bereits verstorbenen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Köln für einen inhaltlichen Austausch zu unserer Lebenssituation und den damit einhergehenden Themen. So war auch für 2020 ein Wochenende zum Thema Sprachlosigkeit sowie gemeinsamen Gruppenfreizeitaktivitäten und Raum für persönliche Begegnungen untereinander geplant. Aufgrund der nach wie vor anherrschenden COVID-19 Pandemie und deren Auswirkungen auf das soziale Leben war dies nicht wie gewohnt möglich. Sich der Wichtigkeit des Austausches bewusst, planten die Leiter*innen Sandra Schopen, Hubertus Sieler und Kevin Leinbach zusammen mit einigen Geschwistern alternative Durchführungsmöglichkeiten. So entstand schließlich das erste virtuelle Geschwisterwochenende über die Videokonferenzplattform Zoom, zu dem sich 13 Geschwister im Alter von 15 - 27 Jahren trafen.

Damit wir uns nicht ein ganzes Wochenende vor den Monitoren aufhalten mussten, wurde das Wochenende zeitlich etwas gekürzt (statt Freitagnachmittag – Sonntagmittag nun Freitagabend – Samstagabend) und methodisch vielfältig aufgebaut. Im Vorfeld erreichte uns bereits ein geheimnisvolles Paket, das wir erst am Wochenende zusammen aufmachen sollten, was die Vorfreude und Spannung zusätzlich steigerte. Nach einem kurzen gemeinsamen Einstieg vor den Bildschirmen lernten wir uns durch persönliche Telefongespräche in Interviewform besser kennen. Wieder vor den Monitoren vereint bekamen wir noch ein paar Hinweise über den Ablauf des Samstags, dann neigte sich der offizielle Teil des ersten Tages dem Ende zu. Wer danach noch Lust auf Gespräche unter Geschwistern (sprich in Abwesenheit von Sandra, Hubertus und Kevin), einen digitalen Rundlauf durch das stationäre Kinderhospiz Balthasar und diverse Browserspiele hatte, konnte seinen Abend auch weiterhin vor dem Bildschirm ausklingen lassen, was aber jede*m freigestellt war.

Der Samstag war dann von morgens bis nachmittags dem Thema Sprachlosigkeit gewidmet. Nach einem gemeinsamen Tageseinstieg ging es zuerst in Einzelarbeitsphasen um das persönliche Reflektieren und Nachdenken über den Umgang, die Haltung bezüglich Sprachlosigkeit oder Erfahrungen mit Sprachlosigkeit in Form von Liedtexten. Die Ergebnisse haben wir dann im Plenum besprochen und anschließend in 4er Gruppen (dafür gab es bei Zoom gesonderte Gruppenräume, in denen man unter sich war) anhand von zusätzlich formulierten Fragestellungen festgehalten. Danach haben die Gruppen dann ihre Erträge in der großen Runde vorgestellt:

Sprachlosigkeit muss nicht immer etwas Negatives sein, man darf auch mal sprachlos sein. Sprachlosigkeit kann sowohl Schutz für einen selbst sein, aber auch für das jeweilige Gegenüber. Sprachlosigkeit ist sehr situationsabhängig, es ist wichtig, wo und mit wem man sich unterhält. Körpersprache und körperliche Nähe, zum Beispiel Umarmungen, können bei der Überwindung von Sprachlosigkeit helfen.

Den gesamten Austausch hier festzuhalten würde den Rahmen sprengen, aber alleine diese kurzen Einblicke lassen vermuten, wie intensiv und emotional die Gespräche teilweise waren. Im Anschluss gestalteten wir noch jede*r für sich ein Klangmobile. Einige Materialien dafür, ein bisschen Nervennahrung und weitere Utensilien konnten wir dem Postpaket entnehmen.

Wieder in der großen Onlinerunde vereint präsentierten wir die Klangmobiles und ließen diese nacheinander erklingen und bildeten so eine Klangkette, die ganz im Gegensatz zur Sprachlosigkeit eine*n jede*n von uns hörbar machte. Gegen Abend folgte ein gemeinsamer Ausstieg, in dem wir uns austauschten, wie es und nach den intensiven Auseinandersetzungen ging, wie uns das Wochenende gefiel und was davon wir gedanklich mit in die nächsten Tage nehmen würden. Wie auch am Vortag konnten sich die Geschwister im Anschluss des offiziellen Endes des Wochenendes weiter unter sich austauschen, wenn sie denn wollten. Onlinevarianten der Spiele Werwolf, Activity und Wer bin ich sorgten dort noch für viel Spaß und ein tiefergehendes Kennenlernen untereinander.

Auch wenn diese Onlinealternative des Geschwisterwochenendes keineswegs ein vollwertiges und persönliches Seminar ersetzen kann, war es sehr intensiv und schön. Wir möchten im Namen aller Teilnehmenden Sandra, Hubertus, Kevin und den mitwirkenden Geschwistern dafür danken, dass sich um eine Alternative bemühte wurde, anstatt das Wochenende komplett ausfallen zu lassen. Dankeschön, für eine gut strukturierte Planung, die eine gesunde Ausgewogenheit zwischen Zeit vor dem Monitor und Entlastung der Augen ermöglichte, für eine Reichhaltigkeit an Methoden und vielen Dank dafür, dass trotz der vielen Kamerafenster niemand außer Acht gelassen wurde, dass alle Stimmen gehört wurden und die doch recht spontane Onlineversion nicht zur Folge hatte, dass sich jemand nicht richtig einbringen konnte. Wir möchten uns auch bei allen teilnehmenden Geschwistern für die verschiedenen Sichtweisen, die emotionale Offenheit und die Begegnung auf Augenhöhe bedanken. Danke für das Vertrauen untereinander, das Verständnis zwischen uns und das Gefühl trotz der großen Entfernungen verbunden zu sein. Abschließend möchten wir uns auch bei den Menschen der Stiftung Sparda-Bank West bedanken, die dieses Wochenende und den wichtigen Austausch seit Jahren finanziell möglich machen.

Wir freuen uns darauf einander nächstes Jahr (dann hoffentlich persönlich) wieder zu sehen und ebenso auf neue Bekanntschaften. Herzlich laden wir jedes Geschwister eines lebensverkürzt erkrankten Kindes, Jugendliche*m oder jungen Erwachsene*m ein, sich bei den zukünftigen Veranstaltungen anzumelden und Teil unserer familiären Geschwistergruppe zu werden. Abschließen möchten wir mit den Worten, die sowohl das virtuelle Geschwistertreffen als auch uns, die deutschlandweit verteilt lebenden Geschwister, immer wieder auf den Punkt bringen: „Weit weg, und doch vereint.“

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